Chimicherrychanga

PS09: Lachen, Destillierofen, auslutschen

Unkategorisiert von Seba

Diese Geschichte ist parallel veröffentlicht auf dem Projekt-Blog.

Homunculus

War es meine Schuld, die Wagners oder können wir alle nichts für den Lauf, den die Dinge nahmen?

Es begann vor zwei Tagen. Zu dieser Zeit war ich noch der Gehilfe Wagners. Er bereitete sein großes Experiment vor; hockte vor der überdimensionierten Phiole und stocherte in der Glut darunter. Ich stand am Destillierofen und


Jacobs Blick verfolgte geduldig jeden einzelnen Tropfen aus dem Hahn hinunter in das Glas. Ein Strich markierte die gewünschte Füllmenge. Nur noch ein paar Tropfen fehlten. Dann ging er mit der Flüssigkeit hinüber zu Wagner, der ihn erst nicht bemerkte. Jacob starrte in die eigentümliche Flüssigkeit – oder war es eine dickliche Masse? – in der Phiole. Darin zog es Schlieren, trennten sich die Stoffe um sich dann doch wieder zu vermischen und wechselten ohne festen Rhythmus die Farbe. Er konnte den Blick nicht abwenden.

„Das gewünschte Destillat ist fertig. Dann haben wir es geschafft, nicht?“
Wagner nahm seinem Gehilfen das Glas ab. Mit nachdenklicher, ferner Stimme antwortete er ihm: „Sehr gut, sehr gut. Gleich ist es vollbracht.“
„Uhm, Meister. Was ist das, was ihr erschaffen wollt – ein Homunculus?“
Wagner bedachte seinen Gehilfen mit einem Blick, der sagte:
Dummer Bursche, liest du überhaupt in den Büchern, die ich dir gebe?
„Ein Menschlein. Von keiner Frau geboren und keines Mannes Kind.“


„Nun lass uns den großen Moment einleiten“, sagte er noch. Dann goss er das Destillat in die Phiole. Sobald die Tropfen eintauchten, verfärbten sie sich schwarz und wurden fester, schienen irgendwie klebrig. Ich sah zu Wagner hinüber, der wie gebannt auf das Schauspiel starrte. Die zähen Klumpen bildeten Fäden, die, so schien es mir, wild um sich schlugen. Trafen sie auf die Glaswand, hielten sie sich dort; trafen sie auf andere Fäden verknoteten sie sich und suchten eine gemeinsame Richtung. Bald schon waren Ansammlungen solcher Fäden wie Muskelgewebe und es war mir, als würde es in der Phiole lebendig zucken. Aber so recht erfolgreich schien mir das Experiment dennoch nicht.


„Meister, es scheint, wir haben nur einen Klumpen schwarzer Muskelmasse erzeugt. Es zuckt, aber ich sehe sonst kein Leben und noch weniger ein Menschlein darin.“ Wagner hatte selbst bereits den Misserfolg erkannt.
„Nun, was ich versuche gehört zum Größten der Alchemie. Da ist es nicht verwunderlich, dass nicht alles stets auf Anhieb gelingt.“ Er seufzte und griff sich mit Daumen und Zeigefinger ans Nasenbein. Eine Geste, die Jacob zuletzt immer häufiger bei ihm sah.

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Hach, ich bin glücklich

Unkategorisiert von Seba

Haben heute die Deutschklausur zurückbekommen. Genau die. Mein Tutor hält mir meine Klausur hin und meint:

Sebastian, wirklich eine Überraschung!

12 Punkte! Haha! Meine beste Deutschklausur in der Oberstufe überhaupt! Und dann durfte ich auch noch vorlesen. Inklusive „Wagner ist ein Idiot.“ An dieser Stelle etwas langsamer gelesen, damit es auch jeder hört. Am Schluss der Klausur steht dann noch, neben Kommentaren zu jeder Aufgabe, ein Satz, den ich so schon öfter gelesen habe: „In Sprache und Stil können Sie sich noch verbessern!“ Stimmt wohl. Kann man aber nicht erzwingen. Ich freu' mich erst einmal.

Wagner ist ein Idiot

Unkategorisiert von Seba

Vierstündige Deutsch-Klausuren sind eine angenehme Sache: Man fühlt sich nicht unter Zeitdruck und kann vorm eigentlichen Schreiben alles mit Stichpunkten vollkritzeln. Irgendwie habe ich es dann geschafft, die gesamten vier (Unterrichts-)Stunden auszufüllen. So viel schreib ich selten in einer Klausur.

Das Problem ist, dass ich mich manchmal zurückhalten muss, irgendwelche flappsigen Sachen zu schreiben. Einziger derartiger „Ausrutscher“ heute: „Wagner ist ein Idiot.“ (Gemeint ist die Figur Wagner aus Goethes Faust.) Aber ich habe diese meine Ansicht noch begründet.